Montag, Oktober 16, 2017

Sehr unkompliziertes Möhrenbrot

Seit wir wieder aus dem Urlaub zurück sind und der Herbst naht, kommt auch die Brotbacklust zurück. Also als erstes Roggensauerteig von der Kollegin erbettelt (meiner ist leider *hust* verstorben..) und zur Einstimmung das altbewährte Topfbrot gebacken. Das hat wieder sehr gut funktioniert, was Lust auf mehr macht.
Nicht immer klappt das mit dem Sauerteigbrot unter der Woche, das liegt zum einen an meiner zu spontanen oder nicht vorhandenen Planung, zum anderen an der fehlenden Zeit. Normalerweise backe ich an meinem freien Tag, letzte Woche bin ich für eine Kollegin eingesprungen, da ging das nicht. Aber es bleibt ja noch die Hefe.. also habe ich mir wieder Martin Johanssons Brot Brot Brot* zur Hand genommen und die Nicht-Sauerteig-Brote durchgeguckt. Und bin bei einem höchst unkomplizierten Möhrenbrot hängen geblieben.


Höchst unkompliziert weil:
- morgens vor der Arbeit anrühren, tagsüber gehen lassen (der Teig hat mir die 11 statt 8 Stunden nicht übel genommen - dadurch klappt das mit der geringen Hefemenge von ca. 2 g sehr gut)
- abends wenn ich nach Hause komme packe ich den Teig in die Kastenform, lasse nochmal 1 Stunde gehen und backe dann. Einfacher gehts kaum.

Die Möhre schmeckt man nicht hervor, macht das Roggen-Weizen-Mischbrot aber sehr saftig - auch 4 Tage nach dem Backen schmeckt es wie frisch, abgedeckt hatte ich es nur mit einem Geschirrtuch. Sonnenblumenkerne und Leinsamen geben eine schöne Struktur, ich mag Körnerbrote ja sehr gern. Die Zuckerrübensirupmenge habe ich reduziert, die Schweden backen scheinbar sehr gern mit Sirup, der kommt im Buch jedenfalls häufig vor. Mein Brot schmeckt aber im Endergebnis nicht süß.

Passt toll zu Honig und zu Käse, auch getoastet ist es sehr fein - das Rezept merk ich mir auf alle Fälle!
Und wo ich schon gerade darauf hingewiesen wurde - das Rezept passt natürlich hervorragend zum heute von Zorra ausgerufenen World Bread Day

Höchst unkompliziertes Möhrenbrot


==========REZKONV-Rezept - RezkonvSuite v1.4
Titel: Möhrenbrot (BrotBrotBrot)
Kategorien: Brot, Hefe, Kastenform
Menge: 1 Kastenbrot

Zutaten

2GrammFrische Hefe
100GrammMöhre, fein geraspelt (K: grob geraspelt)
50GrammDunkler Zuckerrübensirup (K: eher 35-40 g)
50GrammSonnenblumenkerne
1Essl.Leinsamen
240GrammWeizenmehl Type 1050
160GrammRoggenmehl Type 1150
10GrammSalz
H AUSSERDEM
Butter für die Form
Mehl zum Bestäuben

Quelle

Martin Johansson - BrotBrotBrot
Erfasst *RK* 15.10.2017 von
Kathi Holzapfel

Zubereitung

Aufwand: sehr gering, Dauer: ca. 10 Stunden (K: etwas länger durch verlängerte Gehzeit)

Hefe, Möhrenraspel, Sirup, Sonnenblumenkerne, Leinsamen, beide Mehlsorten, Salz und 300 ml kaltes Wasser in einer Schüssel kurz von Hand oder in der Rührmaschine zu einem Teig verrühren (K: von Hand, bzw. mit einem Löffel verrührt), dabei nicht kneten. Der Teig soll weich und klebrig, aber nicht flüssig sein. Den Teig mit einem Deckel oder mit Frischhaltefolie abgedeckt bei Raumtemperatur etwa 8 Stunden gehen lassen (K: eher 10-11 Stunden).

Die Kastenform mit Butter einfetten und den Teig mit feuchten Händen hineingeben, glattstreichen und leicht mit Mehl bestäuben. Nochmal 45-60 Minuten gehen lassen, bis er sein Volumen um einige Zentimeter vergrößert hat (K: Mit Teigschaber aus Schüssel in Form gegeben, verteilt und damit glatt gestrichen).

Mindestens 30 Minuten vor dem Backen den Backofen auf 250°C vorheizen. Dabei den Ofenrost (2. Schiene von unten; K: unterste Schiene) mit vorheizen. Die Form auf den Rost stellen, die Temperatur auf 200°C reduzieren und das Brot etwa 1 Stunde backen (K: ersten 10 Minuten auf 250°C gebacken, dann nur ca. 45-50 Minuten gebacken). Nach Belieben das Brot 10 Minuten vor dem Ende aus der Form lösen und rundum bräunen lassen (K: meins bräunt auch so).

Das Brot gegebenenfalls noch aus der Form lösen, in ein Geschirrtuch wickeln und auf einem Gitter abkühlen lassen. (K: Nicht eingewickelt, erst nachdem es abgekühlt war - am nächsten Morgen dann).

K: Sehr unkompliziertes Brot, mit guter Struktur. Bleibt sehr gut frisch und saftig. Morgens vor der Arbeit verrührt, abends gebacken. Höchst unstressig!
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Sonntag, Oktober 15, 2017

Biokiste und Essenspläne

Immer wieder mal haben wir überlegt, ob eine Biokiste nicht was für uns wäre. Ausprobiert haben wirs nie - auf der Zweifelseite standen bei mir v.a.: Zu wenig flexibel, da muss ich ja planen, was ist wenn ich auf einemal Lust auf was anderes habe? Ich mache mir durchaus für ca. 3 Tage im Voraus grob Gedanken, was wir so essen, aber so sehr penibel halte ich mich dann normalerweise nicht an die Pläne. Wocheneinkauf machen wir also auch nicht, ich besorge viel zu Fuß und mit dem Fahrrad im örtlichen kleinen Nahkauf (da gibts dann halt auch nicht alles..), meistens öfter die Woche und nutze den kleinen "Markt" (also einen Gemüse/Obststand), den es hier einmal wöchentlich gibt. Wenn wir Ausgefallenere Sachen möchten, fährt meistens der Mann zum Edel-Edeka 2 Dörfer weiter (ich arbeite Samstag vormittags ja und wenn ich nicht arbeite, sind wir meistens unterwegs).

Als wir noch bei Nürnberg gelebt haben und ich in der Innenstadt gearbeitet habe war das eh keine Frage - ich hatte jeden Tag Zugriff auf den Markt, da war frisches, regionales Gemüse überhaupt kein Problem. Jetzt sieht das etwas anders aus, der Marktstand hat kein soo breites Angebot und im Nahkauf schwankt Angebot und Qualität ziemlich. Bio eher nicht, regional auch eher schwierig.

Drum haben wir uns letztens auf dem Hoffest der Dinkelberger Landbauwerkstatt in Schopfheim für ein Probe-Abo der Dreiland-Biokiste entschieden. Denn ohne Ausprobieren kann man ja schlecht etwas dazu sagen.


Der Hof arbeitet nach Demeter-Richtlinien, liefert nicht nur eigene Produkte sondern auch zugekauftes Obst und Gemüse, Brot, Säfte, Milchprodukte und auch Fleisch kann bestellt werden. Die Kisten sind sehr flexibel - neben verschiedensten Basiskisten gibt es immer die Möglichkeit alles Vorgeschlagene aus der Kiste zu werfen und aus dem Online-Shop andere Dinge hineinzulegen - gerade das stelle ich mir attraktiv vor, so komme ich an Dinge, da weiß ich entweder nicht, ob es sie vielleicht im Laden geben wird oder ich weiß, dass ich sie hier vor Ort definitiv nicht bekomme.
Geliefert wird im Rhythmus, den man sich aussucht, maximal 1x die Woche. Wir testen jetzt mal die kleine Biokiste 1x pro Woche, alle zwei Wochen gibts 6 Eier dazu. Am Mittwoch kam die erste Lieferung - problemlos in der Garage abgestellt, qualitativ sahen die Sachen alle wunderbar aus.

Es gab:
1 Kopf Eichblattsalat
Möhren
Spaghettikürbis
1 Mango
Lauch
Rote Bete
2 Auberginen
und die bestellten Eier

Bis auf die Mango kommt alles vom Hof selbst.

Und was koch ich jetzt draus? Ehrlicherweise hat es mir sogar Spaß gemacht, einen Plan zu schreiben, was ich daraus wohl kochen werde. Ich schreib das hier mal auf - auch um für mich zu sehen, ob das klappt. Und für andere ist das ja vielleicht auch ganz interessant.
Die Kiste kommt Mittwochs, drum startet die Liste am Mittwoch..

Mi: Spaghettikürbis aus dem Ofen mit Tomatensalsa, Avocado und Ei - nuja, das war jetzt nicht so der Bringer. Ich habe noch nie vorher Spaghettikürbis gegessen, schmeckte aber ehrlich gesagt nach sehr wenig, das lag a) am Rezept b) vermutlich auch am Kürbis. Mit aromatischem Hokkaido oder Butternut kann er meiner Meinung nicht mithalten. Mir hätte auffallen sollen, dass da was von von Low-Carb-Küche stand..
Do: Salat mit Mango und panierten Fetawürfeln; Möhrenbrot backen
Fr: Geplant waren Eier in Senf-Gurkensauce mit Kartoffeln - tatsächlich kam ich nach einem Kurs erst gegen halb 9, 9 nach Hause und wir hatten noch Kürbis von Mittwoch übrig.. also gabs aufgepepptes Spaghettikürbisgratin (mehr Würzung, mehr Tomate, mit Käse überbacken. Schon etwas besser!)
Sa: Geplant war Auberginen-Linsen-Topf  - tatsächlich waren wir mittags mit dem Kurs essen, wir hatten also abends a) keinen Hunger und dementsprechend b) keine Lust zu kochen. Also gabs noch eine Brotzeit und fertig
So: Gibts den Auberginen-Linsen-Topf halt heute ;)
Mo: Und hier sollen es dann die Eier in Senf-Gurkensauce von Freitag werden
Di: Lauch-Kartoffelsuppe mit Räucherfisch
Mi: Graupensuppe mit viel Wurzelgemüse

Tja.. und Mittwoch kommt ja schon wieder die neue Ladung. Noch nicht verarbeitet oder verplant: Rote Bete (Problem: Brauch Zeit zum Garen im Ofen - also eher nix für unter der Woche nach der Arbeit, aber die hält ja noch eine Weile). Außerdem habe ich noch Salat übrig, aber den werde ich als Mittagessen unterbringen.
Wie man sieht - so ganz geklappt hat das mit dem Plan nicht. Da bleiben Reste, da ändern sich Pläne.. mal gucken, wie es nächste Woche weitergeht. Der Warenkorb steht jedenfalls schonmal ;).

Und ihr so? Was habt ihr für Erfahrungen mit Biokisten? Und Essensplänen? Haltet ihr euch da dran? Klappt das bei euch?

Das ist hier übringes keine Werbung, wir bezahlen unsere Biokiste selbstverständlich selbst, ich kann also ganz unabhängig berichten ;).

Samstag, September 30, 2017

Hüttenhausmannskost: Kartoffel-Käse-Auflauf mit Endiviensalat

Sooo, endlich wird mal wieder gekocht hier. Und das, wo es jetzt schon wieder schwieriger wird - schließlich ists draußen inzwischen schon wieder dunkel, wenn wir uns abends an den Tisch setzen :/.
Meine Blogunlust (hier schlummern so einige Fotos auf der Festplatte.. nur leider sind die dann irgendwie zeitlich nicht mehr passend, oder das Essen war so improvisiert, dass ich mich leider nicht genau an die Zubereitungsmodalitäten erinnern kann...) zieht sich dieses Jahr ja irgendwie durch, dabei gibts so viele Essen, die nicht vergessen werden sollten!

Dieses einfache Gericht aus Deutschland Vegetarisch gehört definitiv dazu: Nix fancy Zutaten - ein einfacher Kartoffel-Käse-Auflauf (mit knuspriger Semmelbrösel-Käse-Kruste) und dazu ein Endiviensalat mit Apfeldressing - der hat uns ganz besonders gut dazu geschmeckt, das fruchtig-bittere harmoniert gut zum Auflauf! Ein richtig schönes und auch einigermaßen schnelles Herbstessen - schmeckt nach einem aktiven Tag draußen!

Kartoffel-Käse-Auflauf mit Endiviensalat mit Apfeldressing


==========REZKONV-Rezept - RezkonvSuite v1.4
Titel: Kartoffel-Käse-Auflauf mit Endiviendsalat
Kategorien: Vegetarisch, Herbst, Auflauf
Menge: 4 Portionen

Zutaten

H FÜR DEN AUFLAUF
800GrammVorwiegend festkochende Kartoffeln (K: etwas
-- mehr)
Salz
Butter für die Form
150GrammSaure Sahne
200mlSahne
1EI
120GrammGeriebener Bergkäse
Muskatnuss
Pfeffer
2Essl.Semmelbrösel
1Knoblauchzehe
Salz
H FÜR DEN ENDIVIENSALAT MIT APFELVINAIGRETTE
150GrammEndiviensalat (K: eher 300 g)
2Essl.Apfelessig
4Essl.Naturtrüber Apfelsaft
2Teel.Senf
1Essl.Honig
4Essl.Sonnenblumenöl
1klein.Apfel (K: fehlt im ursprünglichen Rezept)
Salz
Pfeffer

Quelle

nach Stevan Paul - Deutschland vegetarisch
Erfasst *RK* 20.09.2017 von
Kathi Holzapfel

Zubereitung

Für den Auflauf Kartoffeln schälen und in 0,5 - 1 cm dicke Scheiben schneiden. Scheiben in kochendem Salzwasser 5-7 Minuten mit Biss garen. Abgießen und in eine gebutterte Auflaufform geben.

Saure Sahne mit Sahne, Ei und 80 g geriebenem Käse glatt rühren. Eine Knoblauchzehe dazupressen (nach Belieben) und kräftig mit Salz, Pfeffer und Muskat würzen. Gratin-Creme über Kartoffelscheiben gießen.
Übrigen Käse mit den Bröseln mischen und auf dem Auflauf verteilen. Im heißen Ofen bei 200°C auf der ersten Schiene von unten ca. 20-25 Minuten godlbraun backen.
Für den Salat Endiviensalat mundgerecht putzen, waschen, trockenschleudern. Ich habe die großen Blätter noch quer in ca. 2 cm breite Streifen geschnitten. Für die Vinaigrette Essig mit Apfelsaft, Senf, Honig und Öl glatt rühren, mit Salz und Pfeffer würzen. Den Apfel waschen, entkernen und klein würfeln. Den Salat mit den Apfelwürfeln und dem Dressing vermengen und zum Kartoffelauflauf servieren.

K: Einfach und schnell gemacht, schmeckt wie ein richtig schönes Hüttenessen - genau das richtige an einem Herbsttag. Das Bittere der Endivie passt super zum fruchtigen Dressing, die Apfelwürfel hab ich hinzugefügt - passen aber gut!
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Beginnender Herbst auf dem Schauinsland bei Freiburg..


Donnerstag, September 21, 2017

Roadtrip Baltikum#6: Laheemaa Nationalpark

Der Roadtrip neigt sich dem Ende zu (dann gibts hier vielleicht auch mal wieder Essbares zu sehen..). Letzte Station: Laheema Nationalpark.

Der Nationalpark liegt nur ca. 70 km östlich von Tallinn, wird deshalb auch von vielen Tagesausflüglern angefahren. Wir wollten aber gegen Ende nochmal ein paar Tage entspannen und etwas mehr Zeit zum Erkunden haben, drum haben wir uns ein kleines Appartment in Altja gebucht - auf dem wunderschön gelegenen und gestalteten "Feirienhof" (eine Art Guesthouse mit wenig Zimmern und Zeltmöglichkeiten) Toomarahva Farmstay. Ich hatte mich schon bei der Recherche in den Hof verliebt, wir haben extra die Reihenfolge nochmal umgeplant, damit wir hier ein paar Tage verbringen konnten..




Das ganze Gelände ist sehr liebevoll hergerichtet, die Besitzerin kommt zwar anfangs etwas ruppig rüber, sie taut aber auf - und serviert wunderbaren Porridge, selbtgemachte Marmelade und Johannisbeerkuchen mit Beeren aus dem Garten zum Frühstück. Auch ein besonderes Erlebnis: ein Abend im traditionellen Saunahaus (das kleine Holzhaus da oben) - mit Holz befeuert und ohne Dusche - dafür mit zwei großen Bottichen voll heißem und kaltem Wasser und Schöpfkellen. Und über deinem Kopf der Sternenhimmel..

Bei der Anfahrt von Tallinn haben wir bei einer nicht so ganz bekannten "Sehenswürdigkeit" Halt gemacht - beim verlassenen U-Boothafen Hara Saddam, einem sowjetischen Überbleibsel. Es war wohl mal eine von nur einer Handvoll Entmagnetisieranlagen für U-Boote. Nach unserer gestrigen U-Booterkundung im Marinemuseum von Tallinn irgendwie nochmal ein besonderer Ort.

Ansonsten zerfällt hier viel Beton und es wird kräftig gesprayt - mal mehr, mal weniger gut. Auf alle Fälle eine beeindruckende Anlage - so im Nirgendwo.. (GPS-Daten: 59.5885 / 25.6199).






An unserem Ankunftstag in Altja herrschte wunderbares Abendlicht - ich habe mir also gleich die Kamera geschnappt und bin ab Richtung Meer (ca. 5 Minuten zu Fuß). Die alten, teilweise reetgedeckten Fischerhütten wurden renoviert und erinnern an alte Zeiten, als ganz Altja vom Fischfang lebte.
Die kleine Halbinsel ist umringt von Findlingen - dem Wahrzeichen Laheemaas. Die vielen rundgeschliffenen Steine hat der finnische Gletscher in der letzten Eiszeit bis hier her geschoben. Jetzt ergeben sie wunderbare Fotomotive.. ;).



Abends war mal wieder Zeit für privates Abendessen auf der kleinen Terasse - sonst käme man ja gar nie dazu, die lokalen Supermarktschätze zu probieren! Am Morgen noch frisch und warm in der Muhu Bäckerei im Tellliskivi Zentrum gekauft - das leckerste Brot mit Hanf- und Sonnenblumenkörnern. Dazu Butter, mehr brauch ich ja nicht!



Getestet wurde dazu von den Männern allerdings noch estnischer Bär in der Dose - preislich eher bei den Delikatessen einzuordnen. Geschmack deutlich nach Wild - von der Machart her erinnerte das Fleisch an Rillette..

Am nächsten Morgen zeigte sich der Himmel zwar ziemlich bedeckt, die weibliche Urlauberfraktion schnürt aber Wanderstiefel - erstmal gehts auf den Altja Trail: Eher ein Spaziergang (ca. 3,5 km), aber ein wunderschöner! Sehr abwechslungsreich führt der Weg durch lichten Wald mit Heidekraut und Heidelbeeren, an Findlingen vorbei, über den durchs Eisen dunkelrotbraun gefärbten Fluss Altja und schließlich am Meer zurück. Unterwegs zeigen sich auch endlich ein paar Prachtexemplare an Pfifferlingen!







Mit Pilzbrot gestärkt fahren wir noch ein Stückchen weiter, die Wanderlust ist noch nicht ganz befriedigt - in Käsmu startet ein längerer (15 km)Wanderweg, der sich anfangs immer am Meer entlang bis zur Spitze der Halbinsel Palganeeme windet. Anschließend gehts weiter nach Süden und im Bogen wieder zurück. Wir starten relativ spät und müssen viel fotografieren (also ich.. *hust*) - wir laufen also ca. 4 km bis nach Palganeeme und dann den gleichen Weg wieder zurück. Leider zeigt sich kein Blau am Himmel - trotzdem ein wunderschöner Weg (und nach Käsmu / den Steinen zur Teufelsinsel) wird der auch sehr, sehr ruhig und einsam..

Grooße Findlinge bei Käsmu




Abends gehts dann zum ersten Mal in die Aljta Korts, der alten Taverne in Altja - wir haben einen sehr schönen Abend und beschließen - das wird morgen wiederholt! Der letzte Urlaubstag bricht an - und wider aller Vorhersagen ist strahlend blauer Himmel angesagt. Zeit für ein bisschen Strand!

In Altja an den Fischerbooten vorbei..


.. und über die Hängebrücke..


.. und dann hat man ihn praktisch für sich allein. Den Wald, den Strand, dieses wunderbar dicke, weiche Moos.. ab und an kommt ein Wanderer oder Radler vorbei. Aber wir sind so wenige, dass es für jeden reichlich Einsamkeit am Strand gibt. Endlich das Bad in der Ostsee, wenn auch nur kurz - doch ganz schön frisch!




Die Aljta Korts, die hm, "Taverne" triffts irgendwie ganz gut liegt direkt gegenüber von unserem Bed and Breakfast und wird tagsüber auch von Bussen angefahren. Abends flaut das ganze aber ab und wir finden immer einen Platz vor der großen reetgedeckten Scheune.
Wie man sieht, bekommt das Haus gerade ein neues Dach - durchaus faszinierend, den Arbeitern dabei zuzusehen. Wir erfahren: letzte Woche hat die Firma ein Dach abgenommen, das ca. 150 Jahre alt war. Dieses hier ist noch jünger - die große Linde steht zu nah am Haus, das Dach wird zu feucht und moost zu.




Die Küche serviert einfache, estnische Hausmannskost zu sehr fairen Preisen. Den ersten Abend hatten wir Schweinsbraten mit Sauerkraut und Kartoffeln - sehr, sehr fein. Besonders zu empfehlen ist außerdem der Heidelbeerkuchen mit Sahne - durchaus eine Portion für Zwei. Gern hätten wir noch Kama-Mousse probiert (Kama ist sehr estnisch - eine Mischung aus geröstetem Gersten-, Hafer- Roggen- und Erbsenmehl. Es wird traditionell in Milch, Joghurt oder Kefir eingerührt. Man kann aber natürlich auch Desserts daraus machen..)

Man kann hier auf alle Fälle hervorragend einen Nachmittag mit Bier, Kleinigkeiten zum Bier und Spielen zubringen, danach essen und danach gehts in die Sauna. Ach, was für ein schöner letzter Abend!




Am nächsten Tag beladen wir das Auto und es geht Richtung Flughafen. Da wir gut Zeit haben, gibts noch einen Zwischenstopp im Viru Moor - dem größten Hochmoor im Laheemaa Nationalpark. Es ist schön hier, aber schon voller. Wir sind schon etwas von Soomaa verdorben - das war einfach noch weiter, viel leerer und dadurch noch beeindruckender. Außerdem durfte man in den Moorseen baden, was hier verboten ist. Trotzdem - wer nur hier die Chance auf Moor hat - unbedingt angucken! Ein schöner, ca. 6-7 km langer Wanderweg führt geradewegs durchs Moor und durch den Wald zurück zum Parkplatz. Also auch ohne Führer sehr gut machbar!





Und damit enden gute zwei Wochen Baltikum. Wir hatten eine wunderbare Zeit, tolles Wetter und eine super Reisebegleitung. Wer Lust hat auf spannende Länder, in denen irgendwie Nord auf Ost auf West trifft, auf Geschichte und vor allem auf viel Natur - der ist hier definitiv richtig aufgehoben. Ich denke, das war nicht unser letzter Besuch hier - jedenfalls hoffe ich es sehr!

Teil 1: Riga
Teil 2: Ligatne
Teil 3: Sooma Nationalpark
Teil 4: Saaremaa
Teil 5: Tallinn

Mittwoch, September 20, 2017

Roadtrip Baltikum#5: Tallinn

Nach entspannten Inseltagen stand jetzt wieder etwas Stadtprogramm auf dem Plan - 2 Tage Tallinn. Die Stadt beeindruckt mit einer sehr putzigen Innenstadt mit vielen kleinen Gassen, mittelalterlichen Häusern, hohen Türmen und intakter Stadtmauer. Erstmal einen Überblick verschaffen! In der Innenstadt findet man v.a. Restaurants (in Tallinn kann man richtig gut essen..) und Touriläden. Ein paar davon mit Kitsch, aber auch richtig viele mit wertigem Kunsthandwerk. Gestricktes, Leinen,  Produkte aus Filz und Wachholderholz - und immerhin alles made in Estonia.


Einen sehr schönen Laden für Strickwaren gibt es zum Beispiel in einem Keller in der Katharinengasse (incl. Strickbücher! Hier habe ich die Gelgenheit ergriffen und ein schönes Buch "Suur Kindaramaat" mit traditionellen estnischen Handschuhmustern mitgenommen - die ältesten (teilweise etwas zerfledderten) Handschuhe stammen aus dem 19. Jahrhundert! Sie werden gesammelt und in einem Museumsarchiv aufbewahrt. Sehr beeindruckend!) Auch ein Laden mit Holzwaren ist hier zu finden.





Für Türenliebhaber bietet Tallinn auch so Einiges.. hier ist mal nur ein sehr hübsches Exemplar.


Auch wenn es auf den Bildern gar nicht soo voll aussieht - es war voll. V.a. Ströme von Kreuzschiffgästen tummeln sich auf den wichtigesten Touristenrouten. D.h. aber auch - ab 17 Uhr wirds ruhiger..
Wie in Riga fanden wir auch hier das Aufeinandertreffen von nordischer und östlicher Kultur spannend - in Lettland war der russische Einfluss aber noch deutlich mehr zu merken. In der russisch-orthodoxen Kirche hier sammeln sich v.a. Touristen. In Riga war das noch ca. 50:50.




Es gibt so viel zu entdecken! Zum Beispiel diese kleine ukrainisch-griechisch-katholische Kirche der Gottesmutter mit den drei Händen - etwas versteckt hinter einer einfachen Holztüre in der Stadtmauer (Straße Laboratooriumi). Die Gottesmutter ist für alle zu Unrecht Verfolgten zuständig. So auch für die gefährdeten Tier- und Pflanzenarten, die wunderschön auf Holztafeln zu sehen sind.

Die Kirche ist wohl nur manchmal geöffnet - wir hatten Glück. Wer die Türe offen vorfindet, der sollte unbedingt einen Blick hinein werfen! Im Untergeschoss befindet sich allerlei mechanisches Hohlzspielzeug und diverse technische Zeichnungen - die Beschriftungen waren leider in keiner uns lesbaren Sprache, drum leider keine Infos über die Hintergründe.
Außerdem kann man in der Kirche die wunderschönen handgeschöpften Kalligrafie-Karten von labora dort erwerben. Oder man besucht gleich den wunderschönen Laden in der Altstadt selbst!



Wer erstmal genug von Mittelalter hat, der kann ja mal einen Blick hinter die Stadtmauer werfen - zum Beispiel in Richtung der Markthallen hinter dem Bahnhof. Als ich vor 10 Jahren hier war, standen hier noch Holzbaracken und das ganze hatte noch einen recht urigen Flair. Heute gibt es hier eine moderne Markthalle Balti Jaam mit vielen kleinen Ständen, im Inneren auch sehr viel Essen - wir kamen zwei Mal vorbei, einmal gab es eher urig gefüllte Brote und Auflauf aus dem kleinen ukrainischen Stand, einmal die Hipstervariante - gedämpfte, vietnamesisch inspirierte Brötchen (?), köstlich gefüllt mit gegrillter Aubergine, Wakame-Algen, Sushi-Ingwer und Sojasauce. Sososo gut!

Direkt dahinter gentrifiziert es gerade ganz kräftig - im Telliskivi Viertel entstehen in alten Fabrikhallen Büros, Cafés, kleine Läden, Street Food Meilen (wir könnten wirklich den ganzen Tag essen!) und noch mehr Cafés. Außerdem jede Menge Street Art!



Unser Spaziergang führte uns dann noch weiter Richtung Hafen - im Kalamaja Viertel kann man noch zahlreiche bunte Holzhäuser bewundern. Hier wurde gerade wahnsinnig viel gebaut und renoviert - teilweise auch wieder in Holz.
Wenn man etwas Zeit hat (oder es gerade zu regnen beginnt...) lohnt sich ein Besuch des Marine-Museums Lennusadam / Seaplane Harbour. Im architektonisch sehr interessanten Wasserflugzeughangar hängt u.a. die Lembit - das einzig verbliebene estnische U-Boot aus dem 2. Weltkrieg. Bis 1990 war es im Wasser, man kann in das U-Boot hinein und das sehr beengte Leben nur so erahnen.. Wir fanden die 14 Euro Eintritt/Person jedenfalls lohnenswert!



Gegessen haben wir natürlich auch (und das sehr gut - nur hatte ich abends die große Kamera nicht mehr mit dabei).

Leib
Etwas unscheinbar hinter einem schmiedeeisernen Gartentor befindet sich erst ein kleiner Park.. und dann das Leib. Berühmt für sein selbstgebackenes Brot und die Qualität des Essens. Wir hatten Glück und ergatterten an unserem Ankunftsabend (Samstag!) noch einen Tisch ohne Reservierung. Wahninnig aufmerksamer Service, der hervorragend Englisch spricht (wie fast überall in Tallinn!), kleine Karte mit viel Wert auf lokale Spezialitäten, außerdem schon vorgeschlagene Pairings Craf-Beer + Hauptgericht. Ein bisschen laut ist es, weil im Raum noch eine laaange Tafel voller junger Frauen sitzt, aber wir genießen den Abend und v.a. das Essen sehr. Für mich das vielleicht Beste der ganzen Reise: Rinderfilet mit Pfifferlingen und knusprigem Grünkohl, danach eine wunderbare Creme Brûlée mit Roggenbrotbröselboden. Ca. 130 Euro für 4 Personen (4 Hauptgänge, davon zwei mit Craft Beer Pairing, 4 Desserts, Wasser, Espresso)
Leib Restoran, Uus 31

Pegasus
Hier sind wir eher zufällig tagsüber vorbeigeschlendert und brauchten noch ein Lokal für abends - Internet lobte, Speisekarte sah nicht verkehrt aus, also haben wir für abends reserviert. Das Restaurant über mehrere Ebenen in einem Haus im Stil der 60er orientert sich auch innen an der Einrichtung - in sehr stylish. Wir sitzen am großen Fenster und blicken auf die Straße unter uns. Das (wie hier immer vorneweg) gereichte Brot (mit Kürbiskernen und Hanfsamen) ist schon mal wahnsinnig gut. Ich esse geröstete Aubergine und Zucchini mit Tomaten-Aiioli, Rucola, Pesto und Ziegenkäseschaum, auch die anderen sind von ihren Essen begeistert. Dazu gibts eine sehr nette Kellnerin. Sehr gemütlicher Abend!
Pegasus, Harju 1

V
Das sehr gelobte, kleine vegane Restaurant in der Altstadt ist nicht mehr wirklich Geheimtipp - wir haben allerdings am Sonntag für Montag Abend noch einen Tisch reservieren können. Aber so ganz ohne Reservierung wirds vermutlich schwierig..
Auch hier - schöne Karte, für meinen Geschmack könnte noch einen Ticken weniger mit Tofuprodukten gearbeitet werden. Aber die Vorspeise - Rote Bete Ravioli mit Cashew Creme (eher Creme zwischen hauchzarter, rohen Roten Beten) war grandios! Ich hatte danach Zucchini-Nudeln mit Quinoa, gegrillter Avocado, Tofu und Pestosauce (fein! V.a. diese ganzen gegrillten Avocadohälften...) und anschließend einen Mandelcupcake, der mich nicht 100% überzeugen konnte - was aber vielleicht wirklich an veganem Backwerk an sich liegt. Alles in allem aber: sehr feine Sache und eine willkommene Abwechslung zum Fleischigen
V, Rataskaevu 12

Geschlafen haben wir im Old House Hostel - ruhig am Rande der Altstadt gelegen. Hübsch eingerichtete Zimmer, der Rest ist ein teilweise.. ääh.. interessanter Mix (Sofas mit Löwenfüßen..). Das buchbare Frühstück im Gemeinschaftsraum kann man eher sein lassen und einen Tag gabs kein heißes Wasser. Dafür können Parkplätze gebucht werden (Parken im Bereich Altstadt ist sonst wahnsinnig teuer, beim Telliskivi Zentrum gibt es aber günstige Tagestickets!). Insgesamt: Günstig (ca. 25 Euro p.Person/Nacht im Doppelzimmer), gute Lage, für uns vollkommen ok. Der gleiche Anbieter hat auch Appartments in der Altstadt - evtl. auch eine interessante Option.